Kom­pakt im Überblick

NIS‑2 in Deutschland: Fragen und Antworten zum BSI-Gesetz (Stand: Juli 2026)

Seit dem 6. Dezem­ber 2025 gilt in Deutsch­land das NIS-2-Umset­zungs­ge­setz (BGBl. 2025 I Nr. 301). Es hat das BSI-Gesetz (BSIG) neu gefasst, und dort ste­hen heute die Pflicht­en für beson­ders wichtige und wichtige Ein­rich­tun­gen. Auf dieser Seite beant­worten wir die Fra­gen, die uns in der Beratung am häu­fig­sten begeg­nen. Berück­sichtigt sind die Änderun­gen des BSIG bis Juli 2026, unter anderem durch das KRI­TIS-Dachge­setz.

Die Antworten geben einen Überblick und erset­zen keine Rechts­ber­atung im Einzelfall. Verbindlich ist der Geset­zes­text.

Das BSIG knüpft die Betrof­fen­heit im Kern an zwei Merk­male:

1. Die Tätigkeit: Die Ein­rich­tung muss ein­er der Ein­rich­tungsarten zuzuord­nen sein, die in Anlage 1 oder Anlage 2 des BSIG aufge­führt sind.
2. Die Größe: Maßge­blich sind Mitar­beit­erzahl, Jahre­sum­satz und Jahres­bi­lanz­summe, berech­net nach der KMU-Empfehlung der EU-Kom­mis­sion 2003/361/EG (§ 28 Abs. 4 BSIG).

Einige Ein­rich­tungsarten fall­en unab­hängig von ihrer Größe unter das Gesetz, etwa qual­i­fizierte Ver­trauens­di­en­stean­bi­eter, Top Lev­el Domain Name Reg­istries, DNS-Dien­stean­bi­eter und Betreiber kri­tis­ch­er Anla­gen.

Am Ende ste­ht eine von zwei Kat­e­gorien: beson­ders wichtige Ein­rich­tung oder wichtige Ein­rich­tung (§ 28 Abs. 1 und 2 BSIG). Für Ein­rich­tun­gen der Bun­desver­wal­tung gel­ten eigene Regeln (§ 29 BSIG).

Bei Konz­er­nen gibt es eine Beson­der­heit: Die Zahlen von Part­ner- oder ver­bun­de­nen Unternehmen müssen nicht hinzugerech­net wer­den, wenn das Unternehmen bei seinen IT-Sys­te­men, Kom­po­nen­ten und Prozessen unab­hängig von diesen ist (§ 28 Abs. 4 Satz 2 BSIG).

Beson­ders wichtige Ein­rich­tun­gen sind nach § 28 Abs. 1 BSIG:

  • Betreiber kri­tis­ch­er Anla­gen, unab­hängig von der Größe,
  • qual­i­fizierte Ver­trauens­di­en­stean­bi­eter, Top Lev­el Domain Name Reg­istries und DNS-Dien­stean­bi­eter, unab­hängig von der Größe,
  • Anbi­eter öffentlich zugänglich­er Telekom­mu­nika­tions­di­en­ste und Betreiber öffentlich­er Telekom­mu­nika­tion­snet­ze mit min­destens 50 Mitar­beit­ern oder jew­eils über 10 Mio. Euro Jahre­sum­satz und Jahres­bi­lanz­summe,
  • son­stige Ein­rich­tun­gen ein­er Ein­rich­tungsart aus Anlage 1 mit min­destens 250 Mitar­beit­ern oder über 50 Mio. Euro Jahre­sum­satz und zugle­ich über 43 Mio. Euro Jahres­bi­lanz­summe.

Wichtige Ein­rich­tun­gen sind nach § 28 Abs. 2 BSIG:

  • Ver­trauens­di­en­stean­bi­eter, soweit sie nicht schon beson­ders wichtige Ein­rich­tun­gen sind, unab­hängig von der Größe,
  • Telekom­mu­nika­tion­san­bi­eter unter­halb der oben genan­nten Schwellen,
  • son­stige Ein­rich­tun­gen ein­er Ein­rich­tungsart aus Anlage 1 oder 2 mit min­destens 50 Mitar­beit­ern oder jew­eils über 10 Mio. Euro Jahre­sum­satz und Jahres­bi­lanz­summe, soweit sie nicht bere­its beson­ders wichtige Ein­rich­tun­gen sind.

Ver­nach­läs­sig­bare Tätigkeit­en: Geschäft­stätigkeit­en, die im Ver­hält­nis zur gesamten Geschäft­stätigkeit ver­nach­läs­sig­bar sind, kön­nen bei der Zuord­nung zu ein­er Ein­rich­tungsart unberück­sichtigt bleiben (§ 28 Abs. 3 BSIG). Wo die Gren­ze liegt, sagt das Gesetz nicht. Die eigene Einord­nung sollte deshalb nachvol­lziehbar doku­men­tiert wer­den.

Aus­nah­men: Für Finanzun­ternehmen, die unter die DORA-Verord­nung (EU) 2022/2554 fall­en, gel­ten die §§ 30, 31, 32, 35, 36, 38 und 39 BSIG nicht (§ 28 Abs. 6 BSIG). Son­der­regeln beste­hen außer­dem für Telekom­mu­nika­tion­san­bi­eter und bes­timmte Energie­un­ternehmen, für die eigene Sicher­heitsvor­gaben im TKG bzw. EnWG gel­ten (§ 28 Abs. 5 BSIG).

  • Beson­ders wichtige und wichtige Ein­rich­tun­gen
    Hier geht es um das Unternehmen als Ganzes. Entschei­dend sind Ein­rich­tungsart und Unternehmensgröße (§ 28 BSIG).
  • Kri­tis­che Anla­gen
    Hier geht es um einzelne Anla­gen, deren Aus­fall die Ver­sorgung der Bevölkerung erhe­blich beein­trächti­gen würde, etwa ein Wasser­w­erk oder ein Strom­netz. Ob eine Anlage kri­tisch ist, ergibt sich aus Anla­ge­nart und Schwellen­werten, nicht aus der Größe des Unternehmens.

Wer eine kri­tis­che Anlage betreibt, gilt immer als beson­ders wichtige Ein­rich­tung (§ 28 Abs. 1 Nr. 1 BSIG). Zusät­zlich gel­ten beson­dere Anforderun­gen an die Risiko­man­age­ment­maß­nah­men (§ 31 BSIG) und Nach­weispflicht­en gegenüber dem BSI (§ 39 BSIG). Welche Anla­gen kri­tisch sind, erläutern wir in der Frage „Was ist eine kri­tis­che Anlage?“ weit­er unten.

Das BSIG unter­schei­det zwei Anla­gen. Maßge­blich ist jew­eils die konkrete Ein­rich­tungsart, die dort genan­nt ist, nicht allein die Über­schrift des Sek­tors.

Anlage 1: Sek­toren beson­ders wichtiger und wichtiger Ein­rich­tun­gen

  1. Energie (u. a. Strom, Fer­n­wärme und Fernkälte, Kraft­stoff und Heizöl, Gas, Wasser­stoff)
  2. Trans­port und Verkehr (Luftverkehr, Schienen­verkehr, Schiff­fahrt, Straßen­verkehr)
  3. Finanzwe­sen (Bankwe­sen, Finanz­mark­t­in­fra­struk­turen)
  4. Gesund­heit
  5. Wass­er (Trinkwasserver­sorgung, Abwasserbe­sei­t­i­gung)
  6. Dig­i­tale Infra­struk­tur (u. a. Cloud-Com­put­ing, Rechen­zen­tren, Telekom­mu­nika­tion, Man­aged Ser­vice Provider und Man­aged Secu­ri­ty Ser­vice Provider)
  7. Wel­traum

Anlage 2: Sek­toren wichtiger Ein­rich­tun­gen

  1. Trans­port und Verkehr (Post- und Kuri­er­di­en­ste)
  2. Abfall­be­wirtschaf­tung
  3. Pro­duk­tion, Her­stel­lung und Han­del mit chemis­chen Stof­fen
  4. Pro­duk­tion, Ver­ar­beitung und Ver­trieb von Lebens­mit­teln
  5. Ver­ar­bei­t­en­des Gewerbe/Herstellung von Waren (Medi­z­in­pro­duk­te und In-vit­ro-Diag­nos­ti­ka, Daten­ver­ar­beitungs­geräte und elek­tro­n­is­che Erzeug­nisse, elek­trische Aus­rüs­tun­gen, Maschi­nen­bau, Kraft­wa­gen und Kraft­wa­gen­teile, son­stiger Fahrzeug­bau)
  6. Anbi­eter dig­i­taler Dien­ste (Online-Mark­t­plätze, Online-Such­maschi­nen, Plat­tfor­men für soziale Net­zw­erke)
  7. Forschung

Ob ein Unternehmen aus Anlage 1 als beson­ders wichtige oder als wichtige Ein­rich­tung gilt, hängt von sein­er Größe ab. Unternehmen, die nur ein­er Ein­rich­tungsart aus Anlage 2 zuzuord­nen sind, kön­nen höch­stens wichtige Ein­rich­tun­gen sein, sofern sie nicht zugle­ich eine kri­tis­che Anlage betreiben.

Ja, und die Schwellen liegen niedriger, als viele erwarten. Das BSIG ver­wen­det den Begriff „KMU“ zwar nicht, übern­immt aber die Berech­nungsregeln der KMU-Empfehlung der EU-Kom­mis­sion. Ein Unternehmen mit min­destens 50 Mitar­beit­ern oder jew­eils mehr als 10 Mio. Euro Jahre­sum­satz und Jahres­bi­lanz­summe ist bere­its eine wichtige Ein­rich­tung, wenn es ein­er Ein­rich­tungsart aus Anlage 1 oder 2 zuzuord­nen ist.

Ger­ade Anlage 2 trifft viele Mit­tel­ständler, zum Beispiel aus diesen Branchen:

  • Maschi­nen­bau
  • Her­stel­lung von Daten­ver­ar­beitungs­geräten, elek­tro­n­is­chen und optis­chen Erzeug­nis­sen
  • Her­stel­lung von elek­trischen Aus­rüs­tun­gen
  • Her­stel­lung von Kraft­wa­gen und Kraft­wa­gen­teilen
  • Lebens­mit­telun­ternehmen im Großhan­del und in der indus­triellen Pro­duk­tion
  • Abfall­be­wirtschaf­tung

Aus Anlage 1 sind für mit­tel­ständis­che IT-Dien­stleis­ter vor allem Man­aged Ser­vice Provider, Man­aged Secu­ri­ty Ser­vice Provider, Anbi­eter von Cloud-Com­put­ing-Dien­sten und Anbi­eter von Rechen­zen­trums­di­en­sten rel­e­vant.

Nach gängi­gen Schätzun­gen fall­en in Deutsch­land rund 29.500 Ein­rich­tun­gen unter das Gesetz.

Auch kleinere Unternehmen sind oft indi­rekt betrof­fen: Wer als Zulief­er­er oder Dien­stleis­ter für eine NIS-2-pflichtige Ein­rich­tung arbeit­et, bekommt deren Anforderun­gen an die Sicher­heit der Liefer­kette (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG) in der Regel ver­traglich weit­erg­ere­icht.

In eigen­er Sache: Für genau diese Unternehmen haben wir unser NIS-2-Vor­la­gen­paket entwick­elt.

Das NIS-2-Umset­zungs­ge­setz wurde am 5. Dezem­ber 2025 im Bun­des­ge­set­zblatt verkün­det (BGBl. 2025 I Nr. 301) und ist am 6. Dezem­ber 2025 in Kraft getreten. Eine all­ge­meine Über­gangs­frist gibt es nicht: Die Risiko­man­age­ment­maß­nah­men nach § 30 BSIG und die Meldepflicht­en nach § 32 BSIG gel­ten seit­dem.

Frist­ge­bun­den ist die Reg­istrierung beim BSI. Sie muss spätestens drei Monate nach dem Zeit­punkt erfol­gen, zu dem eine Ein­rich­tung erst­mals oder erneut unter das Gesetz fällt (§ 33 Abs. 1 BSIG). Für Unternehmen, die bere­its bei Inkraft­treten betrof­fen waren, endete diese Frist am 6. März 2026. Wer sie ver­säumt hat, sollte die Reg­istrierung umge­hend nach­holen, denn die Pflicht beste­ht weit­er und ein Ver­stoß ist bußgeld­be­wehrt.

Das BSIG in der jew­eils gel­tenden Fas­sung ist kosten­los auf gesetze-im-internet.de abruf­bar. Die Ursprungs­fas­sung des NIS-2-Umset­zungs­ge­set­zes vom 2. Dezem­ber 2025 ist im Bun­des­ge­set­zblatt veröf­fentlicht (BGBl. 2025 I Nr. 301).

Die Pflicht­en ste­hen in Teil 3, Kapi­tel 2 des BSIG (§§ 30 bis 42). Für die meis­ten Unternehmen sind diese Vorschriften entschei­dend:

  • § 30: Risiko­man­age­ment­maß­nah­men beson­ders wichtiger und wichtiger Ein­rich­tun­gen
  • § 31: Beson­dere Anforderun­gen an die Risiko­man­age­ment­maß­nah­men von Betreibern kri­tis­ch­er Anla­gen
  • § 32: Meldepflicht­en
  • § 33: Reg­istrierungspflicht
  • § 34: Beson­dere Reg­istrierungspflicht für bes­timmte Ein­rich­tungsarten
  • § 35: Unter­rich­tungspflicht­en
  • § 38: Umsetzungs‑, Überwachungs- und Schu­lungspflicht für Geschäft­sleitun­gen
  • § 39: Nach­weispflicht­en für Betreiber kri­tis­ch­er Anla­gen

Für den Mit­tel­stand ist § 30 BSIG der Kern. Die Maß­nah­men müssen geeignet, ver­hält­nis­mäßig und wirk­sam sein, sollen den Stand der Tech­nik ein­hal­ten und müssen doku­men­tiert wer­den (§ 30 Abs. 1 und 2 BSIG). Grund­lage ist immer eine Risiko­analyse. Das Gesetz nen­nt zehn Bere­iche, die min­destens abgedeckt sein müssen:

  1. Konzepte in Bezug auf die Risiko­analyse und auf die Sicher­heit in der Infor­ma­tion­stech­nik,
  2. Bewäl­ti­gung von Sicher­heitsvor­fällen,
  3. Aufrechter­hal­tung des Betriebs, wie Back­up-Man­age­ment und Wieder­her­stel­lung nach einem Not­fall, und Krisen­man­age­ment,
  4. Sicher­heit der Liefer­kette ein­schließlich sicher­heits­be­zo­gen­er Aspek­te der Beziehun­gen zu unmit­tel­baren Anbi­etern oder Dien­stean­bi­etern,
  5. Sicher­heits­maß­nah­men bei Erwerb, Entwick­lung und Wartung von infor­ma­tion­stech­nis­chen Sys­te­men, Kom­po­nen­ten und Prozessen, ein­schließlich Man­age­ment und Offen­le­gung von Schwach­stellen,
  6. Konzepte und Ver­fahren zur Bew­er­tung der Wirk­samkeit von Risiko­man­age­ment­maß­nah­men im Bere­ich der Sicher­heit in der Infor­ma­tion­stech­nik,
  7. grundle­gende Schu­lun­gen und Sen­si­bil­isierungs­maß­nah­men im Bere­ich der Sicher­heit in der Infor­ma­tion­stech­nik,
  8. Konzepte und Prozesse für den Ein­satz von kryp­tographis­chen Ver­fahren,
  9. Erstel­lung von Konzepten für die Sicher­heit des Per­son­als, die Zugriff­skon­trolle und für die Ver­wal­tung von IKT-Sys­te­men, ‑Pro­duk­ten und ‑Prozessen,
  10. Ver­wen­dung von Lösun­gen zur Mul­ti-Fak­tor-Authen­tifizierung oder kon­tinuier­lichen Authen­tifizierung, gesicherte Sprach‑, Video- und Tex­tkom­mu­nika­tion sowie gegebe­nen­falls gesicherte Not­fal­lkom­mu­nika­tion­ssys­teme inner­halb der Ein­rich­tung.

Für bes­timmte dig­i­tale Anbi­eter, darunter Cloud-Com­put­ing-Dien­ste, Rechen­zen­tren, Man­aged Ser­vice Provider und Online-Mark­t­plätze, haben die tech­nis­chen und method­is­chen Anforderun­gen der Durch­führungsverord­nung (EU) 2024/2690 Vor­rang (§ 30 Abs. 3 BSIG).

In eigen­er Sache: Unser NIS-2-Vor­la­gen­paket enthält Konzepte und Richtlin­ien, mit denen du diese Min­dest­maß­nah­men doku­men­tieren kannst.

Der Begriff hat sich 2026 ver­schoben. Nach § 2 Nr. 22 BSIG ist eine kri­tis­che Anlage jet­zt eine Anlage im Sinne des KRI­TIS-Dachge­set­zes, das am 17. März 2026 in Kraft getreten ist. Welche Anla­gen konkret darunter fall­en, soll eine Rechtsverord­nung zum KRI­TIS-Dachge­setz mit Anla­ge­narten und Schwellen­werten fes­tle­gen.

Solange diese Rechtsverord­nung nicht in Kraft ist, gilt nach der Über­gangsregelung in § 66 BSIG die bish­erige Begriffs­bes­tim­mung weit­er. Bis dahin bleiben also die Anla­ge­narten und Schwellen­werte der BSI-Kri­tisverord­nung maßge­blich.

Betreiber kri­tis­ch­er Anla­gen sind immer beson­ders wichtige Ein­rich­tun­gen. Neben den Pflicht­en aus dem BSIG tre­f­fen sie die Resilien­zpflicht­en des KRI­TIS-Dachge­set­zes, etwa Risiko­analy­sen und Resilien­z­pläne für den physis­chen Schutz ihrer Anla­gen.

Die NIS-2-Richtlin­ie (EU) 2022/2555 soll in der gesamten EU ein hohes gemein­sames Cyber­sicher­heit­sniveau schaf­fen. Ihre Ker­nan­forderun­gen ste­hen in den Artikeln 20 bis 25 der Richtlin­ie, in Deutsch­land umge­set­zt durch das BSIG. Aus unser­er Sicht sind das die wichtig­sten Punk­te:

  • Ver­ant­wor­tung der Geschäft­sleitung
    Die Geschäft­sleitung muss die Risiko­man­age­ment­maß­nah­men umset­zen und ihre Umset­zung überwachen. Ver­let­zt sie diese Pflicht schuld­haft, haftet sie der eige­nen Ein­rich­tung nach den gesellschaft­srechtlichen Regeln, etwa nach Gmb­HG oder AktG (§ 38 Abs. 1 und 2 BSIG).
  • Schu­lungspflicht für die Geschäft­sleitung
    Die Mit­glieder der Geschäft­sleitung müssen regelmäßig an Schu­lun­gen teil­nehmen, um Risiken und Risiko­man­age­ment­prak­tiken erken­nen und bew­erten zu kön­nen (§ 38 Abs. 3 BSIG).
  • Risikobasiert­er Ansatz
    Die Maß­nah­men richt­en sich nach Risiko­ex­po­si­tion, Größe der Ein­rich­tung, Umset­zungskosten sowie Ein­trittswahrschein­lichkeit und Schwere möglich­er Vor­fälle. Die Ein­hal­tung ist zu doku­men­tieren (§ 30 Abs. 1 BSIG).
  • Sicher­heit in der Liefer­kette
    Die Beziehun­gen zu unmit­tel­baren Anbi­etern und Dien­stleis­tern gehören aus­drück­lich zum Risiko­man­age­ment (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG).
  • Mel­dung erhe­blich­er Sicher­heitsvor­fälle
    Erhe­bliche Sicher­heitsvor­fälle sind in mehreren Stufen an die gemein­same Meldestelle von BSI und BBK zu melden (§ 32 BSIG).
  • Reg­istrierung
    Betrof­fene Ein­rich­tun­gen müssen sich selb­st beim BSI reg­istri­eren (§ 33 BSIG). Ob sie betrof­fen ist, muss jede Ein­rich­tung selb­st prüfen.
  • Zer­ti­fizierte IKT-Pro­duk­te
    Per Rechtsverord­nung kann fest­gelegt wer­den, dass bes­timmte IKT-Pro­duk­te, ‑Dien­ste und ‑Prozesse nur mit ein­er Cyber­sicher­heit­sz­er­ti­fizierung nach europäis­chen Schema­ta einge­set­zt wer­den dür­fen (§ 30 Abs. 6 in Verbindung mit § 56 Abs. 3 BSIG).

Das BSIG unter­schei­det zwei Ebe­nen:

  • Geschäft­sleitung: Sie muss regelmäßig an Schu­lun­gen teil­nehmen, um aus­re­ichende Ken­nt­nisse zur Erken­nung und Bew­er­tung von Risiken und Risiko­man­age­ment­prak­tiken zu erlan­gen und deren Auswirkun­gen auf die eige­nen Dien­ste beurteilen zu kön­nen (§ 38 Abs. 3 BSIG).
  • Beschäftigte: Grundle­gende Schu­lun­gen und Sen­si­bil­isierungs­maß­nah­men gehören zu den Min­dest­maß­nah­men nach § 30 Abs. 2 Nr. 7 BSIG.

Wie oft und wie lange geschult wer­den muss, legt das Gesetz nicht fest. Als Geschäft­sleitung gel­ten die natür­lichen Per­so­n­en, die nach Gesetz, Satzung oder Gesellschaftsver­trag zur Führung der Geschäfte und zur Vertre­tung berufen sind (§ 2 Nr. 13 BSIG), bei ein­er GmbH also die Geschäfts­führer. Wir empfehlen, min­destens ein­mal jährlich zu schulen und Inhalte, Teil­nehmer und Dauer so zu doku­men­tieren, dass sie sich bei ein­er Prü­fung nach­weisen lassen.

In eigen­er Sache: Gemein­sam mit unserem Part­nerun­ternehmen, dem Daten­schutzkon­tor, bieten wir ein Schu­lungspaket an, mit dem Beschäftigte von KMU sen­si­bil­isiert wer­den kön­nen.

§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG ver­langt, die sicher­heits­be­zo­ge­nen Aspek­te der Beziehun­gen zu unmit­tel­baren Anbi­etern und Dien­stean­bi­etern in das Risiko­man­age­ment einzubeziehen. Wie das umzuset­zen ist, lässt das Gesetz offen. In der Prax­is gehören dazu:

  • eine Über­sicht der kri­tis­chen Liefer­an­ten und Dien­stleis­ter mit Risikobe­w­er­tung,
  • ver­tragliche Vere­in­barun­gen zu Sicher­heits­maß­nah­men, Patch­man­age­ment und der Mel­dung von Sicher­heitsvor­fällen,
  • Anforderun­gen an sichere Entwick­lung­sprozesse, etwa „Secu­ri­ty by Design“ und „Secu­ri­ty by Default“,
  • regelmäßige Über­prü­fun­gen, zum Beispiel über Frage­bö­gen, Nach­weise wie ISO/IEC-27001-Zer­ti­fikate oder Audits.

Die NIS-2-Richtlin­ie nen­nt als Maßstab die spez­i­fis­chen Schwach­stellen der einzel­nen Anbi­eter, die Gesamtqual­ität ihrer Pro­duk­te und ihre Cyber­sicher­heit­sprak­tiken ein­schließlich sicher­er Entwick­lung­sprozesse (Art. 21 Abs. 3 NIS-2-Richtlin­ie). Ergänzend kann ein Scan der von außen erre­ich­baren Angriffs­fläche (Exter­nal Attack Sur­face Scan) helfen, Schwach­stellen bei Dien­stleis­tern zu erken­nen.

Die Bußgeld­vorschriften ste­hen in § 65 BSIG. Für die zen­tralen Pflicht­en, also Risiko­man­age­ment­maß­nah­men, deren Doku­men­ta­tion und die Meldepflicht­en, gel­ten diese Ober­gren­zen:

  • Beson­ders wichtige Ein­rich­tun­gen: bis zu 10 Mio. Euro, bei einem weltweit­en Gesam­tum­satz von mehr als 500 Mio. Euro bis zu 2 % des Gesam­tum­satzes.
  • Wichtige Ein­rich­tun­gen: bis zu 7 Mio. Euro, bei einem weltweit­en Gesam­tum­satz von mehr als 500 Mio. Euro bis zu 1,4 % des Gesam­tum­satzes.

Bußgeld­be­wehrt ist es unter anderem, wenn eine Ein­rich­tung

  • eine Maß­nahme nach § 30 Abs. 1 BSIG nicht, nicht richtig, nicht voll­ständig oder nicht rechtzeit­ig ergreift,
  • die Ein­hal­tung dieser Verpflich­tung nicht, nicht richtig oder nicht voll­ständig doku­men­tiert,
  • eine Mel­dung nach § 32 Abs. 1 BSIG nicht, nicht richtig, nicht voll­ständig oder nicht rechtzeit­ig macht,
  • die Reg­istrierungsangaben nach § 33 BSIG nicht, nicht richtig, nicht voll­ständig oder nicht rechtzeit­ig über­mit­telt.

Für andere Ver­stöße gel­ten niedrigere Rah­men. Eine ver­säumte oder fehler­hafte Reg­istrierung kann zum Beispiel mit bis zu 500.000 Euro geah­n­det wer­den. Hinzu kommt das Haf­tungsrisiko der Geschäft­sleitung gegenüber der eige­nen Gesellschaft (§ 38 Abs. 2 BSIG).

Nach § 2 Nr. 11 BSIG ist ein „erhe­blich­er Sicher­heitsvor­fall“ ein Sicher­heitsvor­fall, der

a) schw­er­wiegende Betrieb­sstörun­gen der Dien­ste oder finanzielle Ver­luste für die betr­e­f­fende Ein­rich­tung verur­sacht hat oder verur­sachen kann oder

b) andere natür­liche oder juris­tis­che Per­so­n­en durch erhe­bliche materielle oder imma­terielle Schä­den beein­trächtigt hat oder beein­trächti­gen kann.

Diese Def­i­n­i­tion kann durch eine Rechtsverord­nung nach § 56 Abs. 5 BSIG konkretisiert wer­den. Für bes­timmte dig­i­tale Anbi­eter ist das auf EU-Ebene bere­its geschehen: Die Durch­führungsverord­nung (EU) 2024/2690 legt unter anderem für DNS-Dien­stean­bi­eter, TLD-Reg­istries, Cloud-Com­put­ing-Dien­ste, Rechen­zen­tren, Con­tent Deliv­ery Net­works, Man­aged Ser­vice Provider, Man­aged Secu­ri­ty Ser­vice Provider, Online-Mark­t­plätze, Online-Such­maschi­nen, soziale Net­zw­erke und Ver­trauens­di­en­stean­bi­eter fest, wann ein Vor­fall als erhe­blich gilt.

Alle anderen Ein­rich­tun­gen müssen im Einzelfall bew­erten. Anhalt­spunk­te liefert Erwä­gungs­grund 101 der NIS-2-Richtlin­ie: das Aus­maß der Beein­träch­ti­gung des Dien­stes, die Dauer des Vor­falls und die Zahl der betrof­fe­nen Nutzer. Es lohnt sich, die eige­nen Kri­te­rien vor­ab im Prozess zur Vor­fall­be­wäl­ti­gung festzule­gen, damit im Ern­st­fall nie­mand erst über die Meldepflicht disku­tieren muss.

Die Meldepflicht­en ergeben sich aus § 32 BSIG. Beson­ders wichtige und wichtige Ein­rich­tun­gen melden erhe­bliche Sicher­heitsvor­fälle an die gemein­same Meldestelle des BSI und des Bun­de­samts für Bevölkerungss­chutz und Katas­tro­phen­hil­fe (BBK), und zwar in Stufen:

  1. Frühe Erst­mel­dung unverzüglich, spätestens inner­halb von 24 Stun­den nach Ken­nt­niser­lan­gung, mit der Angabe, ob der Ver­dacht auf rechtswidrige oder böswillige Hand­lun­gen oder auf gren­züber­schre­i­t­ende Auswirkun­gen beste­ht;
  2. Mel­dung unverzüglich, spätestens inner­halb von 72 Stun­den nach Ken­nt­niser­lan­gung, mit Bestä­ti­gung oder Aktu­al­isierung der Erst­mel­dung, ein­er ersten Bew­er­tung ein­schließlich Schw­ere­grad und Auswirkun­gen sowie gegebe­nen­falls den Kom­pro­mit­tierungsindika­toren;
  3. Zwis­chen­mel­dung über rel­e­vante Sta­tusak­tu­al­isierun­gen, wenn das BSI darum ersucht;
  4. Abschlussmeldung spätestens einen Monat nach der 72-Stun­den-Mel­dung mit
    • ein­er aus­führlichen Beschrei­bung des Vor­falls ein­schließlich Schw­ere­grad und Auswirkun­gen,
    • Angaben zur Art der Bedro­hung oder zur wahrschein­lichen Ursache,
    • den getrof­fe­nen und laufend­en Abhil­fe­maß­nah­men,
    • gegebe­nen­falls den gren­züber­schre­i­t­en­den Auswirkun­gen.

Dauert der Vor­fall nach einem Monat noch an, ist zunächst eine Fortschrittsmeldung abzugeben. Die Abschlussmeldung fol­gt, sobald der Vor­fall abschließend bear­beit­et ist (§ 32 Abs. 2 BSIG). Betreiber kri­tis­ch­er Anla­gen müssen zusät­zlich Angaben zur betrof­fe­nen Anlage und zur kri­tis­chen Dien­stleis­tung machen (§ 32 Abs. 3 BSIG).

Sind per­so­n­en­be­zo­gene Dat­en betrof­fen, kann daneben eine Meldepflicht gegenüber der Daten­schutza­uf­sichts­be­hörde nach Art. 33 DSGVO beste­hen, in der Regel bin­nen 72 Stun­den.

Leinen los und volle Fahrt in den sicheren Hafen der Cybersecurity.

Die Pflicht­en aus dem NIS-2-Umset­zungs­ge­setz gel­ten seit dem 6. Dezem­ber 2025. Mit unserem Vor­la­gen­paket fängst du bei dein­er Doku­men­ta­tion nicht bei null an.

Infor­ma­tio­nen zur Ver­ar­beitung dein­er Angaben find­est du in unseren Daten­schutzhin­weisen.